s'Hofar Bild - Pestkapelle 1645

„S‘Hofar Bild“, wie die Kapelle in der Parzelle Hof liebevoll genannt wird, wurde 1645 als sogenannte Pestkapelle erbaut. Die letzte große Pestseuche war zwischen 1629 und 1635. Vermutlich wurde „s‘Hofar Bild“ als Dank für die überstandene Epidemie errichtet. Der Platz um die Kapelle, der Brunnen, der Feuerweiher und 8572 m² Wald gehören noch heute allen Hofern gemeinsam. In früheren Zeiten wurde dieser Grund abwechselnd genutzt. Das Nutzungsrecht verpflichtete die jeweilige Familie dann aber auch, das Seelenlicht, das damals ein tropfendes Talglicht war, anzuzünden und das Läuten der Glocke zu bestimmten Zeiten zu übernehmen. Erst im 20. Jahrhundert wurde eine bestimmte Familie mit den Aufgaben betraut. Das war die Familie Schneider, die den nächstgelegenen Bauernhof besaß. Sie übernahm die Betreuung der Kapelle.

 

Die kleine Kapelle ist heute ein gemauerter Rechteckbau mit polygonem Schluss, ohne Glockenturm und ohne Glocke. Durch eine kleine rundbogige Öffnung gelangt man über eine alte Sandsteinschwelle in den Innenraum der ca. 2,5 m x 3 m großen Kapelle. Die Tür ist dem Rundbogen angepasst und bietet durch einen Sehschlitz einen Einblick in den

geschmackvollen Innenraum. Im vorderen Teil befindet sich der Altartisch auf einem gemauerten Sockel. Er beherbergt eine Vielzahl von Figuren und Elementen der Volksfrömmigkeit. In der Mitte steht eine vollplastische Marienstatue, die auf der Rückseite ausgehöhlt ist. Der Leib und das Gewand sind nur sehr grob geschnitzt, da es sich um eine früher bekleidete Statue handelt. Das Gesicht, die Haare, das Jesuskind, das auf der linken Hand der Mutter nahezu frei schwebend sitzt, und die rechte Hand

der Maria sind besser ausgearbeitet. Das Zepter stammt aus neuerer Zeit. Diese

Marienstatue, datiert aus dem 18. Jahrhundert, ist ca. 60 cm hoch. Sie wird von zwei knieenden Gipsengeln, die grün und violett gewandet sind, flankiert. Links davon steht eine ca. 45 cm hohe Gipsfigur, die den hl. Wendelin als jungen Mann im hellbraunen Gewand mit grünem Übermantel und einem Hirtenstab zeigt. Zu seinen Füßen liegt ein kleines Schäfchen, das vertrauensvoll zum Patron der Hirten aufblickt. Rechts neben der Marienfigur steht der hl. Georg als König dargestellt mit einem Schwert in der rechten Hand. Die gekreuzte linke Hand umfasst eine Kette. Aufwendig bemalt ist sein Brustharnisch. Die Beinschienen sind mit demselben Muster verziert wie der Brustharnisch. Er trägt einen roten Mantel, der am Saum verziert ist. Unter ihm findet sich ein Untier, ein Drache mit verzweifeltem Blick, da er seine Tage gezählt sieht. Auch diese Gipsfigur ist ca. 45 cm hoch. Weiter rechts steht eine Figuur des hl. Sebastian, der Ende des 18. Jahrhunderts entstanden und ca. 30 cm hoch ist. An einen Baum gebunden trägt Sebastian kurze Haare und ist nur mit einem Lendentuch bekleidet. Mehrere Pfeile durchbohren den Leib und Blut tropft aus den Wunden. Ganz rechts steht der hl. Rochus, eine bäuerliche Schnitzarbeit aus dem 17. Jahrhundert. Sein grünes Gewand ist über dem rechten Knie gerafft und er zeigt seine Wunde. Rochus trägt schwarze Stiefel, einen goldenen Gürtel, einen schwarzen Pilgerhut, lange Haare und einen Kinnbart. Zu Füßen der 30 cm hohen Figur findet sich ein kleiner Hund, der eine spätere Zutat sein dürfte.

(E. Schallert 2002)

 

In einer Nische sitzt der hl. Martin auf dem Pferd und reicht einen Teil seines Mantels dem knieenden Bettler, der barfuß im Büßergewand und mit erhobenen Händen zum hl. Martin aufblickt. Dieses einfache und schlichte Schnitzwerk stammt wahrscheinlich aus dem beginnenden 20. Jahrhundert. Links auf einem viereckigen Sockel steht der hl. Magnus, dargestellt als Benediktinermönch mit Tonsur. Sein Heiligenschein ist flach auf den Kopf gelegt und wirkt verrutscht. Der Ordenshabit weist eine qualitätvolle Faltenbildung auf. Der linke Fuß des hl. Magnus steht auf einem Untier. Das weist darauf hin, dass er der Patron gegen Flurschädlinge ist. In der Kartusche auf dem Sockel steht: „S. Mang. Dies Bild hat Jodok Lang zu Ehren des Heiligen machen lassen 1848“. Die wertvolle Plastik ist allerdings älter und die Jahresangabe bezieht sich vermutlich auf eine Restaurierung. Die Figur ist insgesamt ca. 50 cm hoch. (E. Schallert 2002)

 

Außerdem befinden sich zwei 60 cm x 50 cm große Tafeln in der Kapelle, die Reste alter Prozessionsfahnen der Egger Kirche sind und beidseitig mit Öl auf Leinwand bemalt sind. Diese bäuerlichen Malereien stammen aus dem 18. Jahrhundert. Auf dem rechten Bild ist der hl. Nikolaus im Bischofsornat dargestellt, wie er gebannt zum Himmel schaut und in der Hand seine Attribute hält, ein Buch mit den drei goldenen Kugeln. Vor ihm steht ein Lesepult mit einem grünen Tuch bedeckt, auf dem ein aufgeschlagenes Buch liegt. Das linke Bild zeigt die Gottesmutter Maria mit dem Jesuskind, die dem hl. Dominikus und der hl. Katharina von Siena die Rosenkränze überreicht. Die Szene spielt in den Wolken. Über dem Heiligenschein der Muttergottes schwebt ein kleiner Putto. Außerdem befindet sich am unteren Rand das Kennzeichen des hl. Dominikus, ein Hündchen mit brennender Fackel im Maul. Die Rückseite der Bilder ist nicht einsehbar, da sie fix an der Wand befestigt sind. Auf dem einen Bild soll eine Hostie aufgemalt sein, auf dem anderen der

hl. Aloysius. (E. Schallert 2002)

 

Aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts finden sich noch zwei kostbare und gerahmte Votivbilder in der Kapelle. Sie gehören zusammen und sind je ca. 30 cm x 20 cm groß. Eines zeigt den hl. Wendelin als Hirte mit Stab. Von rechts oben kommt ein Lichtschein auf ihn herunter, und unter ihm sind Tiere abgebildet. Das andere Bild zeigt die hl. Agatha in einem grün-blau-roten Gewand. Ihr Schleier flattert, in der rechten Hand hält sie eine brennende Kerze, ihre linke Hand birgt wahrscheinlich ihre verstümmelten Brüste. Diese Votivtafel dürfte anlässlich eines Brandes gestiftet worden sein. Sie zeigt die Egger Kirche und einen Bauernhof. E. Schallert vermutet, dass es sich dabei wahrscheinlich um einen Bauernhof handelt, dem großes Unglück drohte, das mit Hilfe der hl. Agatha abgewendet

werden konnte. (E. Schallert 2002)

 

Das „Hofar Bild“ spielt in der ganzen Pfarrgemeinde Egg eine große Rolle. Es ist Ziel der Bittprozession der Volksschüler und auch der Flurprozession an Christi Himmelfahrt. Im Mai halten die Hofer ihre Maiandacht ab. Katharina Schneider (1909 - 1999), die jahrelang die Kapelle betreut hat, hat mir aus ihren Erinnerungen mit dieser Kapelle folgende Geschichten erzählt:

„In der Zwischenkriegszeit hat mein Vater, um die Kapelle renovieren zu können, die ältesten Figuren verkauft, die Kapelle so vor dem Zerfall gerettet und neue Figuren erstanden. Auch seien diese alten Figuren um die Jahrhundertwende einmal geraubt worden, und wie durch ein Wunder in einem Jutesack unter der Fluhbrücke nach Schwarzenberg wieder aufgetaucht. So als hätte es der Dieb nicht zuwege gebracht, sie aus dem Dorf zu entwenden.“ 

 

Metzler Gerda, Heimatkunde im Religionsunterricht. Kapellen, Bildstöcke und Wegkreuze in Egg.

Religionspädagogische Akademie der Diözese Innsbruck, Stams.

Religionspädagogisches Institut der Diözese Feldkirch, 2002, Seite 21-26

Tafel in der Kapelle

 

S’Hofar Bild, wie die Kapelle in der Parzelle Hof genannt wird, wurde 1645 als sogenannte Pestkapelle erbaut. die letzte große Pestseuche war zwischen 1629 und 1635. Vermutlich wurde „s’Hofar Bild“ als Dank für die überstandene Epidemie errichtet. Der Platz um die Kapelle, der Brunnen, der Feuerweiher und etwas Wald gehören noch heute allen Hofern gemeinsam. In früheren Zeiten wurde dieser Grund abwechselnd genutzt. Das Nutzungsrecht verpflichtete die jeweilige Familie dann aber auch, das Seelenlicht, das damals ein tropfendes Talglicht war, anzuzünden und das Läuten der Glocke zu bestimmten Zeiten zu übernehmen. Die Familie Schneider, die den nächstgelegenen Bauernhof besaß, wurde im 20. Jahrhundert mit dieser Aufgabe betraut. Im Mai halten die Hofer zweimal wöchentlich ihre Maiandacht ab.

 

Katharina Schneider (1909 – 1999), die jahrelang die Kapelle betreut hat, hat mir aus ihren Erinnerungen mit dieser Kapelle folgenden Geschichten erzählt:

„In der Zwischenkriegszeit hat mein Vater, um die Kapelle renovieren zu können, die ältesten Figuren verkauft, die Kapelle so vor dem Zerfall gerettet und neue Figuren erstanden. Auch seien diese alten Figuren um die Jahrhundertwende einmal geraubt worden und wie durch ein Wunder in einem Jutesack unter der Fluhbrücke nach Schwarzenberg wieder aufgetaucht. So als hätte es der Dieb nicht zuwege gebracht, sie aus dem Dorf zu entwenden.“

Sage:

 

Nach einer anderen Darstellung (des Kirchenbaus in Egg) soll sich die erste Kapelle am Abhang der Parzelle Hof befunden haben, denn die Siedlung Hof sei überhaupt die allererste Ansiedlung im Bregenzerwald gewesen. Ja, und vor denen zum Hof seien schon zwei andere Bauern dort gesessen, die komische Namen hatten. Sie hießen Rufenier und Tschinkenier. Der erstere sei immer fleißig, aber auf den andern neidisch gewesen – der zweite das Gegenteil. Alte Hofer wissen noch von den Erstansiedlern folgenden Spruch:

 

Rufenier und Tschinkenier waren die ersten am Hofe hier.

Ruf war rechts und Tschink war links

Der Tschink wurd tschank – das heißt krank

Ruf lachte, wenn Tschink in Not

Und ward der links am Morgen tot.

Da rief der Ruf: „Ich. Rufenier,

nun ist alles mein am Hofe hier.

Schön ist das Feld, groß und eben".

Da schied auch er aus diesem Leben ...

 

aus: Werner Vogt, Sagen aus der Talschaft Bregenzerwald, Hg. Heimatpflegeverein Bregenzerwald 1992, 134 

Die wunderbare Zeit-vermehrung

Und er sah eine große Menge Volkes, 

die Menschen taten ihm leid,

und er redete zu ihnen von der unwiderstehlichen Liebe Gottes.

 

Als es dann Abend wurde, sagten seine Jünger:

Herr, schicke diese Leute fort, 

es ist schon spät, sie haben keine Zeit.

 

Gebt ihnen doch davon, so sagte er,

gebt ihnen doch von eurer Zeit!

 

Wir haben selber keine, fanden sie,

und was wir haben, dieses wenige, 

wie soll das reichen für so viele?

 

Doch war da einer unter ihnen, der hatte wohl noch fünf Termine frei, mehr nicht, zur Not, dazu zwei Viertelstunden.

 

Und Jesus nahm, mit einem Lächeln, 

die fünf Termine, die sie hier hatten, die beiden Viertelstunden in die Hand.

Er blickte zum Himmel, sprach das Dankgebet und Lob, 

dann ließ er austeilen die kostbare Zeit durch seine Jünger an die vielen Menschen.

 

Und siehe da: es reichte nun das wenige für alle.

Am Ende füllten sie sogar zwölf Tage voll mit dem, was übrig war an Zeit, das war nicht wenig.

 

Es wird berichtet, dass sie staunten.

Denn möglich ist, das sahen sie, Unmögliches bei ihm.

 

Lothar Zenetti

Pfarramt Egg und Großdorf

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