Niederbuch - Kapelle hl. Familie

Die Jahreszahl über der Eingangstür, „1676“, gibt einen Hinweis auf die Entstehungszeit der Kapelle. Das Bauwerk misst ca. 2,5 m x 3 m und stand an der alten Dorfstraße. Es entspricht dem gängigen Typus der Bregenzerwälder Barockbauschule mit Schleppfenstern und Ochsenauge. Im Innern findet sich ein interessantes Stichkappengewölbe. Die Kapelle wurde aus „Achbollen“ (Steinen) vom Rainertobel und Tuffsteinen gemauert und hat einen besonders aufwendigen Dachstuhl. Über der kleinen Eingangstür findet sich eine Nische mit einem leeren Kreuz. Das Schloss, der Schlüssel und der Zugring sind aus der Entstehungszeit. 1985 wurde die Kapelle umfassend renoviert: ein Schindeldach anstelle des Blechdaches errichtet, ein Ziegelboden verlegt, das Mauerwerk entfeuchtet, außerdem außen verputzt und mit einem abwaschbaren, braunen Sockelputz versehen. Da heute noch Vieh an der Kapelle vorbeigetrieben wird, erschien dieser braune Sockelputz zweckmäßiger als weißer Putz. Für das Denkmalamt war das der Anlass, die finanzielle Unterstützung abzulehnen. Die 6 Häuser, die im Grundbuch als Besitzer der Kapelle eingetragen sind, konnten sich eine Restauration des Gemäldes und der Figuren ohne diese finanzielle Unterstützung nicht leisten. Dankenswerterweise konnte Professor Staub von der Universität Tübingen für die Restauration gewonnen werden. Er erklärte sich bereit, das Gemälde der hl. Familie, die Figuren Maria und Johannes und das Kreuz kostenlos zu renovieren. Der Gestaltungswille und die Liebe der Besitzer zu ihrer Kapelle wird in diesem Engagement sichtbar.

Im Innern befindet sich eine Altarnische mit einem Bild der heiligen Familie in Öl auf Leinen. Maria und Josef führen Jesus an der Hand. Über Jesus schwebt die Heilig-Geist-Taube und zuoberst Gott Vater auf einer Wolke. Wunderschön ist der orginal alte Rahmen mit Flammenleisten, bei dem die Blumen und Blätter durch die dicke Malschicht hervortreten. Das Bild ist mit der Jahreszahl „1689“ signiert. Außerdem findet sich folgende Aufschrift am unteren Rand des gemalten Bildes: „Renoviert von Johann Michael Ritter 1847“.

Vor dem Bild befindet sich ein schlichtes Kreuz aus Holz mit einem goldbronzenem Christuskorpus. Zwei ca. 40 cm hohe Assistenzfiguren einer Kreuzigungsszene stehen rechts und links auf dem Altartisch. Maria und Johannes sind sehr plastisch gestaltet, die Bewegung der Körper, die Dramatik der Handbewegungen und die Gesichtsausdrücke sind beachtenswert. Diese schwungvollen Schnitzarbeiten sind auf Holzsockeln montiert und stammen aus dem 17. Jahrhundert. (E. Schallert 2002)

Ganz rechts und links befinden sich zwei 25 cm große geschnitzte Figuren aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Maria mit einem Strahlenkranz steht auf der blauen Welthalbkugel und tritt einer grünen Schlange auf den Kopf. Ein Attribut Mariens, das sie in der Hand hält, ist abgebrochen. Auch dem hl. Josef fehlt sein Attribut. Er trägt das Jesuskind auf dem Arm. Die üblichen knieenden Gipsengel und eine Kerze vervollständigen das Inventar. (E. Schallert 2002)

Alle vier Jahre wird eine Weilermaiandacht abgehalten und bei einem Todesfall im Weiler wird in der Kapelle eine Kerze für den Verstorbenen angezündet.

 

Metzler Gerda, Heimatkunde im Religionsunterricht. Kapellen, Bildstöcke und Wegkreuze in Egg.

Religionspädagogische Akademie der Diözese Innsbruck, Stams. Religionspädagogisches Institut der Diözese Feldkirch, 2002, Seite 33-35

Pfarramt Egg und Großdorf

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05512/2246, Fax -4

pfarre.egg@aon.at

pfarre.grossdorf@aon.at

 

Öffnungszeiten im Pfarrbüro:

Dienstag, 15.00 - 18.00 Uhr

Freitag, 8.30 - 11.00 Uhr

Die Hirten

Sie sind erschrocken.

Sie hören, staunen.

Gehen hin nach Betlehem.

Dort stehen sie

mit großen Augen

und mit kleiner Logik.

Sie schauen in das Kind hinein, hindurch, so lange,

bis sie den Erlöser sehen.

Sie finden ihn.

In den Windeln eingehüllt.

Den Herrn der Welt.

Was mussten sie für Augen haben!

Sie beugen sich und finden Wahrheit.

Sie bücken sich und anerkennen,

was nicht durch sie entstand,

sie schauen nicht hin und her,

sie schauen einfach tief,

ein kleines Kind,

Retter der Welt.

Sie brauchen nicht gescheite Worte.

Es war genug für Hirten,

zu stehen vor der Krippe

und gehört zu haben,

das Heil ist da.

Ihre Augen fliehen nicht ins Unsichtbare.

Sie schauen hin

und sehen alles.

Sie schauen in die Augen eines Kindes

und loben Gott für dieses Heil.

Sie tanzen heim.

Sie sind gewiss: Er ist's.

 

Martin Gutl