Rain - Bildstock

Ursprünglich stand eine Kapelle auf den alten Hubengrenzen von Rain und Unterbach, die vermutlich um 1640 errichtet worden war. Sie war ein schmuckloser, steingemauerter Rechteckbau. Um jene Stelle rankt sich bei den Bewohnern des „Schneckenstrichs“ folgende sagenhafte Erzählung aus dem Pestjahr 1635:

Sage: Das Gotteshaus 141

 

Nachdem im Pestjahr 1635 zum Schutze der noch Gesunden sämtliche Wege und Brücken gesperrt worden waren, konnten auch die noch Lebenden am Schneckenstrich nicht mehr zu ihrer „Klosakilke“ kommen. Sie beschlossen, unterhalb des Weilers Rain auf einer kleinen Ebene, die von der Pfarrkirche gut einsehbar war, in sicherer Entfernung ein eigenes Gotteshaus zu bauen oder zumindest dort den Gottesdienst abzuhalten. Bei der Wandlung läuteten die Egger Kirchenglocken, und der damalige Pfarrer Elias Brügel habe weithin erkennbar in Richtung Schneckenstrich die heilige Monstranz im Sonnenlicht aufblitzen lassen und denen dort den Segen gespendet. In Erinnerung an diese leidvollen Zeiten wird noch heute dieser Ort „das Gotteshaus“ genannt. Die Pesttoten, 33 an der Zahl, verscharrten sie an der Hubengrenze zwischen Rain und Unterbach und errichteten unweit davon eine kleine Kapelle zu Ehren der Pestheiligen Sebastian und Rochus.

 

aus: Werner Vogt, Sagen aus der Talschaft Bregenzerwald, Hg. Heimatpflegeverein

Bregenzerwald 1992, 141

Auf Grund von Straßenverbreiterungsmaßnahmen wurde diese Kapelle 1966 abgebrochen. Etwas versetzt wurde ein moderner und überdachter Bildstock errichtet. Die Weiler Unterbach und Rain einigten sich mit dem damaligen Grundbesitzer Wilhelm Schwärzler einen platzsparenden Bildstock an Stelle einer neuen Kapelle zu bauen. Das Bauvorhaben wurde im Juni 1968 bewilligt. Vor Abbruch der Kapelle fand eine Bestandsaufnahme des Bauwerkes und seines Inventars durch das Bundesdenkmalamt statt. Es befanden sich 4 Figuren - Anna Selbdritt, eine Madonna, Christus am Ölberg und eine gekrönte Heilige -, ein Kreuz, sowie ein Altarbild und 2 Tafelbilder, die den hl. Rochus und den hl. Sebastian darstellen, in der Kapelle. Die Plastiken wurden als sehr qualitätvoll bezeichnet und auftragsgemäß im neuen Bildstock untergebracht. Die 2 Tafelbilder nahm Annele Schwärzler in Verwahrung. Das große Altarbild fand nie besondere Beachtung und wurde auf dem Genter (Dachboden) von Margreth Schwärzler aufgestellt, wo es 16 Jahre ohne Verpackungsschutz aufbewahrt wurde. Ein Herr Moskat aus Lauterach, der angeblich von Haus zu Haus ging, um alte Bilder, Figuren und Möbelstücke zu kaufen, bekam das Altarbild zu sehen. Herbert Hammerer (Unterbach) und Hans Schneider (Rain) verkauften ihm das Altarbild, das in einem sehr verstaubten und desolaten Zustand war, um den Preis von ATS 3.000.-. Als es restauriert im heimischen Kunsthandel auftauchte, wurde entdeckt, dass es das Altarbild aus der alten Egger Pfarrkirche war. Es zeigt den heiligen Nikolaus und stammte von dem in Meran lebenden Maler Matthias Pußjäger und wurde im Jahre 1723 signiert. Dieses Altarbild wurde beim Abbruch der alten Pfarrkirche an einen Egger Bauern verschenkt, der es in der Kapelle Rain aufstellte, und weil es sehr groß war, verschwand die untere Hälfte hinter dem Altar. Nach langen Verhandlungen wurde das wertvolle Kulturgut an seinen angestammten Platz in der Egger Pfarrkirche zurückgebracht und ist dort heute noch zu bewundern.

Der Bildstock in Rain wurde von Jos Waldner, einem Rainer geplant und in Gemeinschaftsarbeit erstellt. Es ist ein schmaler rechteckiger Bau mit großem Vordach. Die Dachkonstruktion ist auf Naturholzpfähle gestützt und mit Dachschindeln gedeckt. Über Stufen gelangt man auf den Vorplatz des Bildstockes. Die fünf wertvollen Skulpturen sind in diesem neuen Bildstock untergebracht, mit einer Glasscheibe vor Wind und Regen geschützt und mit einem wunderschönen schmiedeeisernen Gitter vor Diebstahl gesichert. In der Mitte des Bildstockes hängt ein Kreuz aus dem 19. Jahrhundert vom „Dreinageltypus“. Unter den Füßen Jesu befindet sich ein Totenkopf und den Abschluss des Kreuzes bildet ein grüner Pinienzapfen. Vom Beschauer aus rechts steht eine weiblich gekrönte Heilige in Witwentracht. Sie hält ein massives Kreuz in der linken Hand und trägt ein rotes Untergewand, das eine sehr aufwendig, mit goldenen Buchstaben verzierte Borte hat. Der beige Mantel hat ein grünes Innenfutter. Dr. Elmar Schallert datierte die ca. 70 cm hohe Skulptur in das 16. Jahrhundert.

Daneben befindet sich die Skulptur Anna Selbdritt. Mutter Anna ist in Witwentracht dargestellt, trägt auf dem rechten Arm die fast miniaturförmige Maria mit langem Haar und auf dem linken Arm das beleibte und nackte Jesuskind. Die danebenstehende Figur der Mutter Gottes mit Jesuskind stammt vermutlich aus der gleichen Werkstatt. Der Faltenwurf des Obergewandes ist sehr ähnlich. Maria trägt das Jesuskind, das seinen Arm vertrauensvoll um die Mutter legt. Sie ist bekleidet mit einem grün-blauen Mantel mit bordeauxrotem Innenfutter. Auf dem schön geschnittenen langen Haar trägt sie eine gotische Krone. Auf der linken Seite befindet sich ein ca. 1 m großer Christus aus einer Ölberggruppe. Er schaut himmelwärts und drückt Ehrfurcht und Erstaunen aus. Sein Mund ist geöffnet und die Zähne sind sichtbar. Sein Haupthaar und sein Bart sind ausgezeichnet ausgearbeitet. Er trägt einen hellblauen Mantel, dessen Farbe nicht original sein dürfte. Auch diese Skulptur wird ins 16. Jahrhundert datiert. Dieser Bildstock beinhaltet einen Fundus an wertvollen Stücken, die jedoch durch die Hitze und das Tageslicht sehr gefährdet sind und dringend geschützt werden sollten. (E. Schallert 2002)

Am 19. Mai 1969 wurde der Bildstock unter reger Teilnahme der Anrainer von Pfarrer Ferdinand Rheinberger eingeweiht und noch heute werden regelmäßig Maiandachten abgehalten.

 

Metzler Gerda, Heimatkunde im Religionsunterricht. Kapellen, Bildstöcke und Wegkreuze in Egg.

Religionspädagogische Akademie der Diözese Innsbruck, Stams. Religionspädagogisches Institut der Diözese Feldkirch, 2002, Seite 50-54

Die wunderbare Zeit-vermehrung

Und er sah eine große Menge Volkes, 

die Menschen taten ihm leid,

und er redete zu ihnen von der unwiderstehlichen Liebe Gottes.

 

Als es dann Abend wurde, sagten seine Jünger:

Herr, schicke diese Leute fort, 

es ist schon spät, sie haben keine Zeit.

 

Gebt ihnen doch davon, so sagte er,

gebt ihnen doch von eurer Zeit!

 

Wir haben selber keine, fanden sie,

und was wir haben, dieses wenige, 

wie soll das reichen für so viele?

 

Doch war da einer unter ihnen, der hatte wohl noch fünf Termine frei, mehr nicht, zur Not, dazu zwei Viertelstunden.

 

Und Jesus nahm, mit einem Lächeln, 

die fünf Termine, die sie hier hatten, die beiden Viertelstunden in die Hand.

Er blickte zum Himmel, sprach das Dankgebet und Lob, 

dann ließ er austeilen die kostbare Zeit durch seine Jünger an die vielen Menschen.

 

Und siehe da: es reichte nun das wenige für alle.

Am Ende füllten sie sogar zwölf Tage voll mit dem, was übrig war an Zeit, das war nicht wenig.

 

Es wird berichtet, dass sie staunten.

Denn möglich ist, das sahen sie, Unmögliches bei ihm.

 

Lothar Zenetti

Pfarramt Egg und Großdorf

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