Steinebucher Kapelle - "Widor Bild"

Die ursprüngliche Kapelle soll als Pestkapelle zu Ehren der schmerzhaften Mutter Maria um 1642 erbaut worden sein. Auf Grund der Neutrassierung der Bundesstraße musste die Kapelle 1977 abgerissen werden. Da die Kapelle als Mittelpunkt des Weilers immer eine große Bedeutung hatte, entschlossen sich die Steinebucher (das sind alle, die westlich der Bregenzerache wohnen) „ihre“ Kapelle neu zu errichten. Gisela und Anton Lang haben den Grund für den Kapellenneubau zur Verfügung gestellt und damit wesentlich dazu beigetragen, den Neubau der Kapelle zu ermöglichen. Das Inventar konnte während dieser Zeit bei Maria und Margaretha Hammerer in Wieden untergebracht werden.

Für die Planung der neuen Kapelle konnte 1979 der Architekt Hubert Kutzer aus Dornbirn gewonnen werden, der sich für diese Aufgabe unentgeltlich zur Verfügung stellte.

Die Architektur der heutigen Kapelle ist beeindruckend. Die Verbindung von Mauerwerk und Holztäfelung, der offene Dachstuhl und der Lichteinfall im Presbyterium und dem Volksraum faszinieren den Besucher. Die Glocke hängt unter dem Vordach.

Schon am 1. Mai 1980 wurde die erste Maiandacht in der neuen Kapelle abgehalten. Am 18. Mai 1980 wurde die schön gelegene Kapelle - ein Stolz der Steinebucher – feierlich von Pfarrer Josef Jäger seiner Bestimmung übergeben. Zu dieser Andacht lud ein kleines Glöckchen, das von Leonhard Albrecht gespendet wurde, alle ein. Im Herbst 1983 wurde die Kapelle sogar mit elektrischem Strom versorgt.

Ein Schreckenstag für die Steinebucher war der 4. Juni 1992. Ein Brand, ausgelöst durch eine nicht ganz ausgelöschte Kerze, zerstörte einen Teil der Einrichtung. Außerdem wurde die Erneuerung des Daches und der Dachrinnen notwendig. Zur Erhaltung der Kapelle mussten in den letzten Jahren immer wieder größere Summen Geld aufgebracht werden. Da den Steinebuchern ihre Kapelle am Herzen liegt, ist es möglich, die notwendigen Mittel zur Erhaltung zu beschaffen.

Im Spitzeck des Altarraumes unter einer ansprechenden alten „Ewig-Licht-Lampe“ aus Messing und rotem Glas befindet sich die formgewaltige Pieta: Maria in eleganter Haltung mit angewinkelten Knien trocknet das Blut vom Haupt Christi ab und hält ihren toten Sohn am linken Arm. Auch Christus hat seine Knie angewinkelt, die Fußsohlen sind dem Betrachter zugewandt. Diese Gruppe  ist mit einer Inschrift versehen ist: „Wen dich drücket herber Schmerz, flüchte an dein Mutterherz“.

Auf dem kleinen Altar aus Holz vor dem Altarraum steht ein Prager Jesuskind aus Gips. Rechts davon hängt ein Ölbild. Es zeigt Maria mit dem Jesuskind und zwei Putten auf den Wolken. Darunter kniet der hl. Wendelin, und der hl. Martin reicht hoch zu Ross dem Bettler einen Teil seines Mantels. Das Bild enthält die Inschrift „Gott dem Allmächtigen, Maria der seligsten Jungfrau, den heiiligen Martin und Wendelin zu ehren, hat dieses Bild malen lassen der ehrsame Wielhelm Hammerer Widen 1849“.

Links hängt ein rechteckiges Bild der heiligen Familie. Das Jesuskind wird von beiden Eltern an der Hand geführt und schaut vertrauensvoll zum Heiligen Geist und zu Gott Vater auf. Josef hat verschiedene Gerätschaften in einem Korb geschultert. Es ist in Öl auf Leinen gemalt und enthält die Inschrift „1842“. (E. Schallert 2002)

Auf einer Konsole links an der gemauerten Wand steht eine Immaculata. Maria mit hinweisender Geste trägt ein schwungvolles weißes Gewand mit blauem Mantel und rosarotem Innenfutter und goldenen Säumen. Sie ist mit einem Kranz aus sieben Sternen gekrönt und misst ca. 1 m. Vermutlich steht sie auf der falschen Seite, da ihre Geste wahrscheinlich auf das Zentrum weisen sollte.

An der rechten gemauerten Wand steht ein Christus Salvator auf grünem Sockel. Christus hält mit seiner rechten Hand die rechte Seitenwunde. Christus ist mit einer Dornenkrone, verklärtem Blick, Barthaar und langem Haar dargestellt. Drei Strahlen führen aus dem Kopf heraus. Die linke Hand scheint ergänzt worden zu sein. Vermutlich trug sie ursprünglich eine Siegesfahne. Diese Skulptur stammt aus der Zeit der späten Gotik. (E. Schallert 2002)

An den getäfelten Seitenwänden sind 14 Kreuzwegstationen angebracht, alte Öldrucke aus der Zeit um 1870 – 1890. Sie sind mit vergoldeten rechteckigen Rahmen und bemerkenswerten Aufsätzen geschmückt. Die Aufsätze enthalten römische Ziffern und Schriften, durch die die Darstellungen des Kreuzweges erläutert werden. Die alten Kirchenbänke sind ein besonderer Schmuck. Ihre Seitenteile, die sogenannten Docken, sind aus Hartholz und mit herrlichen, geschnitzten Blumenmotiven verziert. (E. Schallert 2002)

Eine lange Tradition erzählt davon, dass am „Schmerzhaften Freitag“ (das ist eine Woche vor Karfreitag) im Weiler Wieden die Arbeit niedergelegt wurde. Als Dank für Gesundheit und Gottes Segen wurden am Nachmittag in der Wiedener Kapelle drei Rosenkränze gebetet. Noch heute beten die Steinebucher am "Schmerzhafen Freitag" in ihrer Kapelle den Rosenkranz.

 

Metzler Gerda, Heimatkunde im Religionsunterricht. Kapellen, Bildstöcke und Wegkreuze in Egg. Religionspädagogische Akademie der Diözese Innsbruck, Stams. Religionspädagogisches Institut der Diözese Feldkirch, 2002, Seite 38-43

Die wunderbare Zeit-vermehrung

Und er sah eine große Menge Volkes, 

die Menschen taten ihm leid,

und er redete zu ihnen von der unwiderstehlichen Liebe Gottes.

 

Als es dann Abend wurde, sagten seine Jünger:

Herr, schicke diese Leute fort, 

es ist schon spät, sie haben keine Zeit.

 

Gebt ihnen doch davon, so sagte er,

gebt ihnen doch von eurer Zeit!

 

Wir haben selber keine, fanden sie,

und was wir haben, dieses wenige, 

wie soll das reichen für so viele?

 

Doch war da einer unter ihnen, der hatte wohl noch fünf Termine frei, mehr nicht, zur Not, dazu zwei Viertelstunden.

 

Und Jesus nahm, mit einem Lächeln, 

die fünf Termine, die sie hier hatten, die beiden Viertelstunden in die Hand.

Er blickte zum Himmel, sprach das Dankgebet und Lob, 

dann ließ er austeilen die kostbare Zeit durch seine Jünger an die vielen Menschen.

 

Und siehe da: es reichte nun das wenige für alle.

Am Ende füllten sie sogar zwölf Tage voll mit dem, was übrig war an Zeit, das war nicht wenig.

 

Es wird berichtet, dass sie staunten.

Denn möglich ist, das sahen sie, Unmögliches bei ihm.

 

Lothar Zenetti

Pfarramt Egg und Großdorf

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